
Schloss
Diabas / Stahl / 110 x 55 x 45 cm
In der Skulptur „Schloss“ transformiert sich ein alltägliches Symbol kollektiver Romantik in ein Mahnmal der Vergänglichkeit. Ein überdimensioniertes Vorhängeschloss, dessen massiver Körper aus einem Diabas-Grabsteins geformt wurde, hängt schwer und unübersehbar an einem Stahlkreuz.
Die formale Anlehnung an die weltweit verbreiteten „Liebesschlösser“, die als Zeichen ewiger Treue an Brückengittern befestigt werden, wird hier radikal umgedeutet. Während die kleinen Schlösser an Brücken den Beginn einer gemeinsamen Zukunft besiegeln sollen, verweist dieses Objekt auf den endgültigen Abschluss. Besonders deutlich wird dies durch die eingravierten Daten, die von einem lediglich 20-jährigen Leben künden. Es ist eine bittere Ironie des Schicksals: In einem Alter, in dem Paare ihre Liebe mit einem Schloss an einer Brücke für die Ewigkeit versprechen, wird das Schloss hier zum Siegel eines beendeten Weges.
Die letzten Zeichen einer Existenz, die nun unwiderruflich „abgeschlossen“ ist.
Das Werk eröffnet ein Spannungsfeld zwischen Bindung und Endgültigkeit. Das Stahlkreuz dient nicht nur als Halterung, sondern evoziert religiöse und existenzielle Aspekte des Todes. Der Grabstein, das traditionell für die Ewigkeit des Gedenkens steht – wird hier zum Gehäuse eines Schlosses, das niemanden mehr einlässt und niemanden mehr freigibt.
Die Skulptur „Schloss“ stellt die Frage, was von der menschlichen Liebe und Identität bleibt, wenn die Zeit abgelaufen ist: Ist das Schloss ein Schutzraum für die Erinnerung oder das Symbol für die unerbittliche Verschlossenheit des Todes? In der monumentalen Vergrößerung wird aus dem flüchtigen Schwur an einer Brücke eine unumstößliche Tatsache aus Stein und Stahl.