Die Kunst, einen Berg zu besteigen
Diabas / Stahl / 160 x 70 x 70 cm

Dieses Werk ist das Ergebnis einer künstlerischen Kettenreaktion: Inspiriert von einer Fotografie des Bergsteigers, Autors und Fotografen Reinhard Karl – dem ersten Deutschen auf dem Mount Everest – schuf die Künstlerin Clara Happ zunächst einen Holzschnitt. Diese grafische Interpretation führte schließlich zu der vorliegenden dreidimensionalen Skulptur.

Das Werk fängt den fragilen Augenblick des letzten Schrittes ein. An der Spitze eines ehemaligen Grabsteins, der noch Fragmente verblasster Buchstaben trägt, erreicht der Kletterer den Gipfel. Doch der Moment des Triumphs ist flüchtig: Die Figur scheint bereits über den Grat hinauszuragen, fast schon im Übergang zum Abstieg begriffen.

Eine besondere Dynamik erhält die Skulptur durch ihre Basis: Der Stein ist auf eine alte Blattfeder gesteckt. Diese elastische Aufhängung lässt die schwere Masse des Diabas schwingen und macht die Instabilität des Augenblicks sowie die körperliche Anspannung des Aufstiegs physisch spürbar.

 

Das Werk reflektiert die Philosophie Reinhard Karls:

“Vielleicht ist es mit dem Kampf am Berg so wie mit dem Aufstieg. Weil es so anstrengend ist, nach oben zu kommen bleibt es so stark im Bewusstsein. Mit dem Glück ist es so wie mit dem Abstieg. Leicht und schnell ist man wieder unten, vergessen. Die Wahrheit ist so kompliziert, dass niemand sie versteht. Eigentlich ist der Berg, nur ein nominelles Ziel. Was zählt, sind die Stunden, Minuten, Sekunden und wie man sie verbringt.”

Die Verbindung von Grabstein und Feder symbolisiert diesen Kreislauf – das schwere, bleibende Bewusstsein der Anstrengung und das federleichte, schnell vergehende Glück des Gipfels.