Angst
Diabas / Stahl
260 x 70 x 70 cm

Dieses Werk ist eine physische Manifestation der inneren Zerreißprobe. Geformt aus dem tiefdunklen Diabas alter Grabsteine, trägt die Skulptur die Last vergangener Abschiede bereits in ihrer Substanz. Aus diesem schweren Gestein bricht eine menschliche Gestalt hervor, die in einem paradoxen Moment erstarrt ist.

Die Figur lehnt an einer senkrecht aufragenden Straßenbahnschiene.  Was auf den ersten Blick wie ein beiläufiges Innehalten im urbanen Raum wirkt, offenbart bei näherer Betrachtung eine existentielle Not. Ein straff gespannter Riemen schneidet über die Brust der Person und symbolisiert das Gefühl, vom Leben oder von Umständen „erwürgt“ zu werden. In einer instinktiven Geste versucht eine Hand der Figur, diesen Riemen zu lockern – ein vergeblicher Griff nach Freiheit und Atemluft.

Doch die Ohnmacht wird durch ein verstörendes Detail zementiert: Die andere Hand der Person wird von einer dritten, von außen kommenden Hand eisern festgehalten. Dieser anonyme Zugriff von außen unterbindet jede rettende Bewegung und verstärkt das Gefühl der totalen Ausgeliefertheit.

Die Skulptur macht das unsichtbare Gefühl der Bedrohung greifbar. Man meint zu sehen, wie die Person im selben Augenblick gewürgt und gefesselt wird – ein innerer Erstickungstod, der im Kontrast zur äußeren Unbeweglichkeit steht. Es ist das Bild des „Freeze-Zustands“: Wenn die Angst den Augenblick in eine endlose Ewigkeit dehnt, weil jeder Ausweg versperrt bleibt.

Der Diabas verleiht der Szene eine raue, unumstößliche Schwere. Das Werk macht diese Dehnung der Zeit im Moment der Angst spürbar: Ein Sekundenbruchteil des Kampfes, der durch die Skulptur zur Ewigkeit erstarrt. Es ist ein monumentales Mahnmal für jene Momente, in denen die Zeit stillsteht, weil der Konflikt keine Lösung zulässt.