
Vergessene Ewigkeit
Granit / Stahl / Glas 110 x 55 x 45 cm
Zwei schwarze Granitgrabsteine bilden das statische Gerüst dieser Skulptur. Sie bewahren die Namen zweier Menschen, die zwischen 1958 und 1960 verstarben – die letzten Ankerpunkte zweier Biografien, deren Details längst vergessen sind. Die Toten haben zwei Weltkriege durchlebt; eine Zeit, die tiefe Spuren hinterlassen haben muss, doch ihre Taten, ihre Schuld, ihr Leid und ihr Vermächtnis bleiben im Dunkeln.
Die drei Schubladen zwischen den Steinen fungieren als Chiffren für Lebensabschnitte und prägende Ereignisse, die sich heute einer eindeutigen Deutung entziehen:
- Glas (Das Zerrüttete): Die obere Glaswanne ist mit Splittern gefüllt. Sie symbolisiert Seelen, die zerbrochen oder zerstört wurden – vielleicht die Erschütterungen der Kriege. Trotz der Transparenz des Materials bleibt das Bild der Vergangenheit durch die Scherben verzerrt; man kann hindurchsehen, aber das Geschehene nicht mehr klar fassen.
- Holz (Das Haltlose): Die mittlere Schublade aus schweren Eichenbohlen wirkt stabil und natürlich, doch sie hat keinen Boden. Kein Erlebnisse, kein materielles Erbe kann in ihr bewart werden. Alles, was hier an Erinnerung hineingelegt wurde, ist durch das Raster der Zeit gefallen.
- Stahl (Das Verschwiegene): Die untere Stahlbox ist fest verschlossen. Sie birgt die Geheimnisse, die bewusst mit ins Grab genommen wurden – Erlebnisse oder Taten aus dunklen Zeiten, die verschwiegen werden sollten. Stahl suggeriert ewige Sicherheit, doch der Rost arbeitet bereits am Zerfall dieses Tresors.
„Vergessene Ewigkeit“ thematisiert das Ende einer Ewigkeit, spätestens wenn ein Grabstein vom Friedhof abgeräumt und zu Schotter zerschreddert wird. Die Skulptur macht spürbar, dass selbst die massivsten Hinterlassenschaften – ob Stein, Stahl oder Eiche – das Wesen eines Menschen nicht festhalten können. Was bleibt, ist das Schweigen zwischen den Materialien und die Erkenntnis, dass nach einem Menschenleben und zwei Weltkriegen die letzte Gewissheit über das Erlebte für immer erlischt.
